Ein wichtiger Teil der Arbeit unter Strassenkindern besteht in der Möglichkeit, dem heimatlosen Leben ein Ende zu machen. Es ist keineswegs so, dass sich junge Menschen, die oft schon als Zehnjährige auf der Straße leben, unbedingt sesshaft machen wollen. Wenn der Wunsch aber besteht, dann gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, ins Heim zu ziehen.

 

Die Aufnahme von Mädchen geht meist schnell vonstatten. Das liegt vor allem daran, dass es Notfälle sind. Es werden kleine Mädchen verletzt und traumatisierte in den Straßen gefunden. Sie fliehen von "sugger daddies" an die sie vielleicht verkauft wurden, oder ihre Mütter sind an Aids gestorben und niemand will sie haben. Tatsächlich sind Mädchen, die schon länger auf der Straße (über-)leben mussten, nur noch schwer zu resozialisieren. Sie kommen durch Prostitution ganz gut "zurecht", nicht aber mit einem Leben unter Regeln. Die Mädchen im Heim sind also wirkliche Kinder zwischen 7 und 10, sie werden  aufgenommen, weil ihnen das Abrutschen auf die Straße droht. 

Fast alle unsere Jungen sind jugendlich,  sind 12 Jahre und aufwärts. Meist haben Sie schon einige Zeit auf der Straße gelebt. Um ins Heim zu kommen, müssen Sie drogenfrei (geworden) sein. Die meisten Strassenkids hängen am Kerosinschnüffeln, was sie aus der Realität in eine Art Trance bringt. Es schädigt aber auch das Gehirn, so dass sie debil werden. 

Die Jungs müssen bereit sein, die einfachen und schlüssigen Regeln im Heim einzuhalten. Sie müssen wIllens sein, ihre aggressiven Verhaltensmuster abzulegen. Es gab schon Messerstecherei und Schlägereien, und deswegen auch schon Heimverweise zum Schutz der anderen.

Strassenkinder werden keine Engel, nur weil sie ins Heim kommen. Sie werden nicht intelligent, nur weil wir sie zur Schule schicken. Sie können Diebe sein, obwohl sie eine Lehre machen dürfen. Und sie  entsprechen auch nicht zwingend unseren Erwartungen an Dankbarkeit, wenn sie aus der Gosse geholt werden. Bitte vergessen Sie, wenn Sie eine Patenschaft überlegen, nicht, dass auch deutsche Teenager für ihre guten Eltern eine Herausforderung sind.

Wir freuen uns dennoch über wunderbare junge Männer, die die Straße hinter sich gelassen habe, eine Schulbildung abgeschlossen, eine Lehre gemeistert habe. Wir sind begeistert, dass sie ihr Leben in der Hand haben, fest arbeiten und sogar schon eine Familie gründen konnten!

Seit 2006 wurden 10 junge Männer in die Unabhängigkeit entlassen, von denen die meisten den Kontakt zur "Heimat" weiter  halten.